{"id":2735,"date":"2023-09-02T15:43:44","date_gmt":"2023-09-02T13:43:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/?p=2735"},"modified":"2023-09-02T15:43:44","modified_gmt":"2023-09-02T13:43:44","slug":"das-geheimnis-der-ip-schutznormen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/das-geheimnis-der-ip-schutznormen\/","title":{"rendered":"Das Geheimnis der IP Schutznormen"},"content":{"rendered":"<p><em>Hinweis: Dieser Text ist aus unserem alten Blog aus dem Jahr 2000 \u2013 wir haben ihn unver\u00e4ndert \u00fcbernommen, weil er immer noch aktuell ist:\u00a0<\/em><\/p>\n<h3><strong>Dreckig muss es sein\u2026.<\/strong><\/h3>\n<p>Industriell genutzte Systeme sind anderen Belastungen ausgesetzt, als Ihr Desktop PC in Ihrem B\u00fcro. Staub, Dreck und Wasser sind Umwelteinfl\u00fc\u00dfe auf die Ihr Schreibtich PC i.d.R. muffig reagiert \u2013 industrielle PC Systeme m\u00fcssen das hingegen klaglos aushalten. Wer schon einmal die ber\u00fchmte Kaffeetasse \u00fcber seine PC Tastatur entleert hat, weiss was ich meine. Der PC in der Industrie soll das hingegen aushalten \u2013 wobei Kaffee noch ein milde Fl\u00fcssigkeit w\u00e4re. Schlimmer sind \u00d6le, Fette und was sich sonst noch so an unangenehmen Sachen in der Fertigung befindet. Industrie PCs k\u00f6nnen das ab \u2013 und das ist auch einer der Gr\u00fcnde warum Industrie Systeme meistens etwas teurer sind als der \u201cherk\u00f6mmliche\u201d PC.<\/p>\n<p>Damit Sie wissen, ob Ihr Industrie PC Kaffee und auch andere Sachen noch problemlos ab kann: f\u00fcr den Einsatz in einer Industrieumgebung sind Schutzklassen und Normen definiert, die angeben, welchen Umweltbelastungen hinsichtlich Ber\u00fchrung, Fremdk\u00f6rper- und Feuchtigkeitsschutz ein System ausgesetzt werden kann, ohne Schaden zu nehmen. Definiert werden die Schutzklassen in der IP Norm, DIN EN 60529: Schutzarten durch Geh\u00e4use (IP Code).<\/p>\n<p>Der IP Code besteht typischerweise aus einer zweistelligen Ziffernkombination, die den jeweiligen Schutzgrad angibt, z.B. IPxy (oder IP54). Die erste Ziffer x spezifiziert die Schutzklasse f\u00fcr Ber\u00fchrungs- und Fremdk\u00f6rperschutz, die zweite Ziffer y den Wasser- und Feuchtigkeitsschutz. Das Ganze klingt vielleicht etwas kompliziert \u2013 ist es aber nicht. Man muss halt nur die Tabellen kennen.<\/p>\n<p>Nachstehende Tabellen (ohne Gew\u00e4hr) erl\u00e4utern die Bedeutung der IP Codes<\/p>\n<h3><strong>Tabelle 1: Ber\u00fchrungs- und Fremdk\u00f6rperschutz<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12278 alignnone\" src=\"https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz1.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 811px) 100vw, 811px\" srcset=\"https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz1.jpg 811w, https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz1-300x135.jpg 300w, https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz1-768x345.jpg 768w\" alt=\"\" width=\"811\" height=\"364\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Tabelle 2: Wasserschutz<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12277 alignnone\" src=\"https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz2.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 799px) 100vw, 799px\" srcset=\"https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz2.jpg 799w, https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz2-300x209.jpg 300w, https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ip-schutz2-768x535.jpg 768w\" alt=\"\" width=\"799\" height=\"557\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcbliche Schutzklassen in der Praxis und einige Hinweise<\/strong><\/p>\n<p>Ihr B\u00fcro PC weist typischerweise einen Schutz nach IP20 auf. Fremdk\u00f6rper ab einer gewissen Gr\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen nicht eindringen \u2013 und Fl\u00fcssigkeiten sollten Sie von dem Ding g\u00e4nzlich fern halten.<\/p>\n<p>F\u00fcr \u201cnormale\u201d Industriesysteme in geschlossenen Werkhallen wird \u00fcblicherweise Schutz nach IP54 angeboten = Staubgesch\u00fctzt + Gesch\u00fctzt gegen Spritzwasser.<\/p>\n<p>F\u00fcr Systeme im Au\u00dfeneinsatz (Fahrzeuge etc) wird ein Schutz nach IP65 empfohlen (=Staubdicht + Gesch\u00fctzt gegen Strahlwasser).<\/p>\n<p>Schutzklassen &lt;= IP40 bieten nur Schutz gegen Ber\u00fchrungen und sind nur dann sinnvoll, wenn ein Industriesystem seinerseits wieder in ein Geh\u00e4use (z.B. in einen Schaltschrank) eingebaut wird.<\/p>\n<p>Bei der Verwendung industriell genutzter Systeme wird grunds\u00e4tzlich empfohlen, auf die IP-Schutzklasse zu achten. Ein mit IP20 gesch\u00fctztes System ist z.B. auf einem Gabelstapler im Au\u00dfenlager ausgesprochen schlecht aufgehoben. Ein nach IP67 gesch\u00fctztes System in der Zeiterfassung und Zugangskontrolle ist dagegen in vielen F\u00e4llen \u00fcberdimensioniert \u2013 wenn es nicht gerade in einem U-Boot eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Nicht jedes System kann problemlos mit einer hohen Schutzklasse ausgeliefert werden. Schutzklassen, die gerade im Wasserschutz (zweite Ziffer) einen hohen Schutzgrad bieten sollen, bedingen in den meisten F\u00e4llen ein geschlossenes (gekapseltes) Geh\u00e4use. (Keine L\u00fcftungsschlitze \u2013 draus folgt auch meistens: kein L\u00fcfter. Denn ein L\u00fcfter ohne L\u00fcftungsschlitze ist auch nicht so die geniale Idee\u2026)<br \/>\nAuf der anderen Seite: wenn Sie einen Computer ohne L\u00fcfter betreiben, m\u00fcssen Sie auf die Leistungsabnahme und W\u00e4rmeableitung achten. Generell gilt: Je h\u00f6her die Prozessorleistung eines PC-Systemes, desto h\u00f6her ist \u00fcblicherweise auch die abgegebene Verlustleistung, die in W\u00e4rme abgegeben wird. In einem geschlossenen Geh\u00e4use kann die W\u00e4rme nicht entweichen \u2013 durch Hitzesch\u00e4den bedingte Systemausf\u00e4lle sind dann die Folge. In einem solchen Anwendungsfall ist der K\u00fchlung besondere Aufmerksamkeit zu schenken, z.B. durch spezielle W\u00e4rmetauscher, die K\u00fchlm\u00f6glichkeiten auch in geschlossenen Systemen bieten.<\/p>\n<p>Und noch ein besonderer Hinweis f\u00fcr Festplatten \u2013 und Windowsfreunde: Festplatten sind meistens das Bauteil, das ausgesprochen sensibel auf Hitze reagiert. Die Folge sind Lese- und Schreibfehler, die ungl\u00fccklicherweise meistens bei l\u00e4ngerem Betrieb auftauchen\u00a0 \u2013 weil ein Hitzestau aufgrund unzureichender K\u00fchlung bl\u00f6derweise erst sp\u00e4ter zum Tragen kommt. Daher empfehlen wir schon w\u00e4hrend der Testphase einen l\u00e4ngeren Dauerbetrieb, denn gerade sehr preisg\u00fcnstige No-Name-Systeme weisen hier oftmals grauenhafte Schw\u00e4chen auf.<\/p>\n<h3><strong>Untertauchen\u2026<\/strong><\/h3>\n<p>Wir sind Taucher. Aus diesem Grund interessieren uns die \u201chohen\u201d Normen hinsichtlich Fl\u00fcssigkeiten besonders. Bevor Sie jedoch Ihren IP68 f\u00e4higen Laptop oder MP3 Player mit unter Wasser nehmen: achten Sie auf die Details der Normung!<\/p>\n<p>Die Definition der IP68 Norm regelt zwar, dass ein K\u00f6rper zwar dauerhaft unter Wasser getaucht werden kann \u2013 es wird jedoch keine Festlegung hinsichtlich der TAUCHTIEFE getroffen.<\/p>\n<p>Ohne es kompliziert werden zu lassen: Zunehmende Wassertiefe erh\u00f6ht den Umgebungsdruck, der auf einen K\u00f6rper ausge\u00fcbt wird. Generell gilt: Der \u201cnormale\u201d Umgebungsdruck in einer H\u00f6he von NN 0 Meter um uns herum (an meinem Schreibtisch) betr\u00e4gt 1 bar. Steigen Sie jetzt ins Wasser erh\u00f6ht sich je 10 Meter Tauchtiefe der Druck um ein weiteres Bar. Wenn Sie also mit Ihrem MP3 Player 30 Meter tief tauchen, m\u00fcssen Sie und Ihr Computer einen Aussendruck von 4 bar standhalten. Das ist schon ungef\u00e4hr das Doppelte von dem, was sich in Ihren Autoreifen befindet. Schnell einleuchtend d\u00fcrfte dann der Satz sein: Je h\u00f6her der Umgebungsdruck, desto wahrscheinlicher ist irgendwann ein Wassereinbruch am System.<\/p>\n<p>F\u00fcr IT Systeme im Tauchsport (z.B. f\u00fcr unsere Tauchcomputer, die wir als lebenserhaltende Ma\u00dfnahme unter Wasser immer mit uns f\u00fchren) muss daher der maximal aushaltbare Druck bzw. die maximale Tiefe definiert werden, in der \u2013 bedingt durch den Umgebungsdruck \u2013 ein Wassereinbruch die Folge sein wird. Die IP68 Norm verwendet hierzu die Definition \u201c\u2026 in Bedingungen, die zwischen Hersteller und Anwender vereinbart werden\u2026\u201d. (Bitte lesen Sie daher das Kleingedruckte, BEVOR Sie Ihren MP3 Player mit unter Wasser nehmen\u2026)<\/p>\n<p>Und noch ein Hinweis aus der Praxis: Wir haben selbst einmal ein Projekt realisiert in dem f\u00fcr einen Kunden spezielle Geh\u00e4use mit IP65 Schutz gekauft und verwendet wurden. Obwohl die Geh\u00e4use korrekt montiert wurden, stellte sich im Test heraus, dass der IP Schutz jedoch bereits bei Lieferung nicht gegeben war.<br \/>\nDie Nachbesserung war etwas hektisch, weil Liefertermine eingehalten werden mussten. Die Erkl\u00e4rung war sp\u00e4ter aber recht einfach: Bei der Entwicklung des Geh\u00e4uses wurde seitens des Herstellers ein IP Schutzklassentest durchgef\u00fchrt. Im Laufe der Produktionszyklen wurden jedoch Materialver\u00e4nderungen eingebracht, die dazu f\u00fchrten, dass der IP Schutz erloschen ist. Auf IP Tests nach den \u00c4nderungen wurde verzichtet \u2013 entweder schlichtweg vergessen oder aus Kostengr\u00fcnden. Damit wurden die Geh\u00e4use zwar als IP65 Geh\u00e4use verkauft \u2013 besa\u00dfen aber de facto keinen IP65 Schutz mehr. (Fragen Sie uns bitte nicht nach dem Namen des Herstellers. Erstens liegt die Sache schon lange zur\u00fcck, zweitens werden wir hier keine Negativwerbung betreiben.)<\/p>\n<p>Unsere Empfehlung: Wenn Sie wirklich IP65 (oder h\u00f6her ben\u00f6tigen), testen Sie das gew\u00fcnschte Geh\u00e4use selbst vor der Verwendung \u2013 entweder mindestens mit einem Wasserschlauch (den Test kann jeder selbst machen) oder fachgerecht in einem Labor. (Beim Selbsttest ist es \u00fcbrigens hilfreich, dass Leergeh\u00e4use zu testen, BEVOR Sie Ihre Elektronik einbauen. Am besten das Geh\u00e4use mit Zellstoff ausf\u00fcllen \u2013 dann k\u00f6nnen Sie einen m\u00f6glichen Wassereinbruch und die Schwachstelle ziemlich genau lokalisieren.)<br \/>\nUnd falls Sie es noch \u201ch\u00e4rter\u201d haben m\u00f6chten: Wir nehmen Ihre Systeme bei unseren w\u00f6chentlichen Tauchtrainings auch gerne mit unter Wasser und unterziehen die dort einem 30\u202660 min\u00fctigen Praxistest so in der Art \u2013 diving proofed\u2026<\/p>\n<p>Auf eine Sache m\u00f6chte wir noch hinweisen: Wenn Sie IP65 Geh\u00e4use (oder h\u00f6her) einsetzen, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass der IP Schutz durch h\u00e4ufiges \u00d6ffnen des Geh\u00e4uses verloren gehen kann! Feuchtigkeitsschutz wird meistens durch Gummidichtungen erzielt \u2013 wenn diese zu oft entlastet und belastet werden, geht der Schutz verloren. Am besten beim wiederholten Schliessen des Geh\u00e4uses neue Gummidichtungen einziehen \u2013 oder mit spezieller Abdichtmasse, wie wir sie auch bei einigen Systemen in unserer Tauchpraxis verwenden.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Ein Blick auf unserer Industriesysteme findet sich hier:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/home-2\/terminals\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Industrieterminals \u00bb<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Infos zu\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schutzart\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IP Schutzarten bei Wikipedia \u00bb<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr diese und alle nachfolgenden Seiten gilt ebenso der obligatorische Hinweis: Alle Angaben ohne Gew\u00e4hr. Bilder und Codes zeigen Beispiele. Diese Beschreibung bezieht sich auf unsere Installation und stellt keine Bewertung der verwendeten Techniken da. Fehler und Irrt\u00fcmer vorbehalten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Dieser Text ist aus unserem alten Blog aus dem Jahr 2000 \u2013 wir haben ihn unver\u00e4ndert \u00fcbernommen, weil er immer noch aktuell ist:\u00a0 Dreckig muss es sein\u2026. Industriell genutzte Systeme sind anderen Belastungen ausgesetzt, als Ihr Desktop PC in Ihrem B\u00fcro. Staub, Dreck und Wasser sind Umwelteinfl\u00fc\u00dfe auf die Ihr Schreibtich PC i.d.R. muffig [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,38],"tags":[],"class_list":["post-2735","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hardware","category-technik","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2735"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2735\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}