{"id":2657,"date":"2023-07-15T11:08:05","date_gmt":"2023-07-15T09:08:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/?p=2657"},"modified":"2023-07-31T19:29:46","modified_gmt":"2023-07-31T17:29:46","slug":"das-lieferkettengesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.art-events.de\/weblog\/das-lieferkettengesetz\/","title":{"rendered":"Das Lieferkettengesetz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Lieferkettengesetz &#8211; Chance und Risiko zugleich<\/strong><\/p>\n<p>Ab Januar 2023 ist es nun Realit\u00e4t: das Lieferkettengesetz der europ\u00e4ischen Union!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/themen\/lieferkettengesetz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos hier<\/a><\/p>\n<p>Die EU hat es durchgesetzt. Das Lieferkettengesetz verpflichtet Unternehmen gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltverst\u00f6\u00dfe bei Zulieferern vorzugehen.<\/p>\n<p>Hierf\u00fcr sind von den Unternehmen Abl\u00e4ufe im Risikomanagement schaffen und mindestens 1x pro Jahr eigene T\u00e4tigkeiten und Lieferanten einer menschenrechts- und umweltbezogenen Analyse unterziehen. Werden Sozialstandards eingehalten? Werden bei der Fertigung Aspekte von Umweltschutz und Nachhaltigkeit beachtet? Ber\u00fccksichtig werden Unternehmen und Lieferanten gleicherma\u00dfen!<\/p>\n<p>Werden L\u00fccken oder Abweichungen entdeckt, sind Unternehmen verpflichtet, diese zu dokumentieren und Gegenma\u00dfnahmen zu ergreifen.<\/p>\n<p>Kein Gesetz ohne Konsequenzen: Die verantwortliche \u00dcberwachungsstelle f\u00fcr Einhaltung des Lieferkettengesetzes ist das Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle BAFA. Bei Verst\u00f6\u00dfen k\u00f6nnen Bu\u00dfgelder verh\u00e4ngt und Firmen von Ausschreiben ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p><strong>Chance f\u00fcr Umwelt und Nachhaltigkeit<\/strong><\/p>\n<p>So weit die Theorie \u2013 in der Praxis:<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist das Lieferkettengesetz f\u00fcr jedes Unternehmen erst einmal eine gute M\u00f6glichkeit, um selbst nachhaltiger zu agieren. Jeder Betrieb kann sich die eigenen Abl\u00e4ufe bewusst machen, regelm\u00e4\u00dfig pr\u00fcfen und \u00f6kologisch sinnvoll handeln.<\/p>\n<p>Ziel des Gesetzes: Das Unternehmen soll nicht mehr nur nach Profit und Gewinn ausgerichtet werden, sondern auch nachhaltiges, verantwortungsvolles Wirtschaften stehen im Fokus des Wirkens. Zum Wohle von Menschen und Umwelt.<\/p>\n<p>Die Idee der Politik: Vom Gesetz betroffen vorerst nur Unternehmen ab 30.000 Mitarbeiter &#8211; Klein- und Mittelst\u00e4ndler sollten als nicht betroffen sein, d\u00fcrfte sich jedoch als Irrglaube herausstellen!<\/p>\n<p>Wie schon bei diversen Vorschriften davor, werden Gro\u00dfunternehmen auch dieses Mal ihre Lieferanten anschreiben und um Auskunft bitten. Da spielt es dann keine Rolle, ob du ein Mittelst\u00e4ndler mit 200 oder 2000 Mitarbeitern bist oder &#8222;nur&#8220; eine kleine Klitsche mit zwei Programmierern. Wenn du als Lieferant f\u00fcr den Produktionsablauf des Unternehmens relevant bist \u2013 dann bekommst du auch Post mit dem Auskunftsersuchen!<\/p>\n<p>Naturgem\u00e4\u00df, zuallererst schafft so ein neues Gesetz erst einmal zus\u00e4tzliche Arbeit. Doch fairerweise kann man auch sagen: je kleiner das Unternehmen, desto weniger Arbeit f\u00e4llt an. Der meiste Aufwand d\u00fcrfte beim Gro\u00dfunternehmen und im Mittelstand verbleiben und hier d\u00fcrften auch am schnellsten die Fachkr\u00e4fte daf\u00fcr fehlen. Daher protestieren gerade Mittelst\u00e4ndler recht energisch gegen die Vorschriften und es bleibt abzuwarten, auf welchen Boden dieser Protest fallen wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen hier betrachteten Kleinbetrieb jedoch &#8211; der hat es ungleich einfacher Lieferanten und eigene Umweltangelegenheit zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>In vielen Kleinbetrieben ist nachhaltiges und umweltschonendes Wirtschaften seit Jahren Thema \u2013 auch wenn sie es bisher nicht gesondert dokumentieren. Ein Beispiel aus eigener Praxis: Wir haben \u00d6kologie und Umweltschutz bereits fr\u00fchzeitig umgesetzt. Damit jeder Mitarbeiter auch direkt live und unmittelbar informiert wird, wie \u00f6kologisch sinnvolles Handeln bei uns aussieht erstellt z.B. das Management bereits seit Jahren regelm\u00e4\u00dfig einen Report zur Einhaltung und Umsetzung j\u00e4hrlicher Ma\u00dfnahmen zur Nachhaltigkeit. Dort werden eben solche T\u00e4tigkeiten dokumentiert und analysiert. Dieser Report wird der Belegschaft ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Auch bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Lieferanten hat das Kleinunternehmen in der Regel die Nase vorn. Weil die Beschaffungsvorg\u00e4nge k\u00fcrzer und einfacher strukturiert sind. Wenn ich z.B. nur Software anbiete, w\u00e4re ich verpflichtet meinen Stromlieferanten, meinen Internetprovider und Computerhersteller zu pr\u00fcfen. Sitzen diese in Europa, wovon auszugehen w\u00e4re, sind sie ohnehin vom Lieferkettengesetzes betroffen und d\u00fcrfen an dessen Einhaltung interessiert sein.<\/p>\n<p><strong>Pr\u00fcfungen im Ausland d\u00fcrften schwierig werden<\/strong><\/p>\n<p>Schwieriger wird es bei Beschaffung im Nicht EU Ausland. Wenn ich bisher f\u00fcr meine Fertigung O-Ringe aus Metall beim billigsten Anbieter aus Asien bezogen habe, ist jetzt zumindest erst einmal massiver Mehraufwand zu bef\u00fcrchten!<\/p>\n<p>H\u00e4lt sich das Unternehmen in Asien an Umweltstandards und Arbeitsrichtlinien? Kann man die \u00fcberhaupt mit EU Regeln vergleichen? Und kann ich das \u00fcberhaupt pr\u00fcfen, ohne vor Ort zu sein?<\/p>\n<p>Die Antworten d\u00fcrften in einigen F\u00e4llen nicht eindeutig und manchmal auch gar nicht optimal ausfallen. Die Konsequenz w\u00e4re es z.B. den Lieferanten zu wechseln. Denn wir erinnern uns: nicht mehr Profitmaximierung, sondern verantwortungsvolles Handeln sollen im Vordergrund stehen. Zumindest wenn es nach dem Willen der heutigen EU geht.<\/p>\n<p>Nun hat die Corona Krise ohnehin gezeigt: die weltweite Verzahnung der Lieferketten und ungebremste Auslagerung der Einkaufsabl\u00e4ufe auf fernste Low Budget \/ Billig Anbieter sind nicht unbedingt zum Vorteil f\u00fcr eine Volkswirtschaft.<\/p>\n<p>Ein O-Ring aus Eisen aus Fernost mag zwar incl. Herstellungs- und Transportkosten mit 3 Cent unschlagbar billig sein, wenn hierf\u00fcr aber Mitarbeiter und Umwelt vor Ort ausgebeutet werden, ist sein Vorhandensein \u00f6kologisch gar nicht mehr w\u00fcnschenswert. Und falls sich beim Transport auch noch das massiv Schwer\u00f6l verbrauchende Containerschiff quer stellt oder im Herstellungsland ein Corona Ausbruch einen mehrw\u00f6chigen Lock Down nach sich zieht, ist der O-Ring dann pl\u00f6tzlich gar nicht mehr verf\u00fcgbar!<\/p>\n<p>Unterm Strich kommen wir damit in eine Situation, die viele Unternehmen in Post Corona Zeiten jetzt schon kennen: Dringend ben\u00f6tigte Teile kommen nicht an Land &#8211; Fertigungs- und Lieferabrisse sind die Folge. Bis abspringende Kunden und Umsatzverluste das ganze Unternehmen bedrohen. (Wenn dann noch eine <a href=\"https:\/\/www.terminal-systems.de\/wp\/strompreis2023\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Explosion der Energiekosten folgt<\/a>, sind die Zutaten f\u00fcr eine Katastrophe schnell perfekt!)<\/p>\n<p>So ergibt sich vielleicht mit dem Lieferkettengesetz auch f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen ein unmittelbares Interesse, zuk\u00fcnftig nicht nur Lieferanten auszuw\u00e4hlen, die sich an die Umwelt- und Menschenrechtsvorschriften halten, &#8211; sondern auch Lieferpartnerschaften einzugehen, die vor Ort produzieren und so f\u00fcr eine stabilere Wirtschaft sorgen.<\/p>\n<p>Man darf auch mit Spannung erwarten ob auch Beh\u00f6rden und Verwaltung ihre Ausschreiben entsprechend anpassen, dass nicht mehr der billigste Anbieter gew\u00e4hlt wird, sondern auch hier das Lieferkettengesetz Beachtung findet.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Nachtrag Juli 2023. Es l\u00e4uft wie erwartet. Die ersten Kunden schicken bis zu 16 Seiten Fragebogen bei denen wir die Arbeitsbedingungen unserer Lieferanten best\u00e4tigen sollen. Dort tauchen dann so Sachen auf wie z.B. ist Kinderarbeit ausgeschlossen, werden die Mitarbeiter angemessen bezahlt, ist der Zugang zu Wasser m\u00f6glich, sind Toiletten und sanit\u00e4re Anlagen in angemessenem Verh\u00e4ltnis vorhanden, entspricht der Wohnraum den Sozialstandards im Land etc pp. Eine gut gemeinte Idee der EU d\u00fcrfte sich mit der Anwendung in der Praxis in ein B\u00fcrokratiemonster mit ungewissem Ausgang verwandeln.<\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-608\" src=\"https:\/\/www.art-events.de\/de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220919-pressex233-236.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"236\" \/><\/p>\n<p>Text und Entwurf. (c)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.terminal-systems.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AE SYSTEME Testcenter<\/a>, Hans-J. Walter<\/p>\n<p>Hans-J. Walter Hans-J. Walter ist Programmierer f\u00fcr Anwendungen in Windows DOT.NET \/ C# und Java \/ Android Apps und Autor journalistischer Fachbeitr\u00e4ge \u00fcber interessante Technik, Trends und Innovationen. Kontakt:\u00a0<a href=\"mailto:hjw@terminal-systems.de\">hjw@terminal-systems.de<\/a><\/p>\n<p><em>F\u00fcr diese und alle nachfolgenden Seiten gilt der obligatorische Hinweis: Alle Angaben ohne Gew\u00e4hr. Bilder und Codes zeigen Beispiele. Beschreibungen beziehen sich auf aktuell bei uns vorliegenden Zustand und stellen keine Bewertung der verwendeten Techniken da. Fehler und \u00c4nderungen vorbehalten!<\/em><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/www.art-events.de\/de\/blog\/\">Blog Eintr\u00e4ge<\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Lieferkettengesetz &#8211; Chance und Risiko zugleich Ab Januar 2023 ist es nun Realit\u00e4t: das Lieferkettengesetz der europ\u00e4ischen Union! Infos hier Die EU hat es durchgesetzt. 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